Green Finance – Was ist das?

Green Finance – Was ist das?Green Finance – Was ist das?
Vanda Astfäller - Sales Lead DACH - Mollie Payments
Vanda Astfäller
Sales Lead DACH
Expertin zur Optimierung von Onlineshops.

Green Finance – Dieser Begriff ist auf dem Finanzmarkt mittlerweile in aller Munde. Die Investitionen in grüne und nachhaltige Finanzierungsformen ist langfristig gesehen von weitreichender Bedeutung. Das Bewusstsein dafür, einen neuen Kurs einzuschlagen, wächst stetig. Innerhalb des Pariser Abkommens haben sich 195 Staaten dazu bekannt, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Infolgedessen sind nun Unternehmen und deren Banken gefordert. Denn die Klimaschutzziele sind nur mithilfe großer Investition zu bewerkstelligen. 

Green, Sustainable oder ESG? Was dies alles bedeutet

Im Rahmen der Thematik “Green Finance” tauchen immer wieder unterschiedliche Begrifflichkeiten auf. Diese stehen meist unter einem gesammelten Oberthema.

Green, Sustainable oder ESG? Was dies alles bedeutet

Der grüne Kapitalmarkt

Laut der Ratingagentur Moody’s konnten im Jahr 2021 Rekordemissionen grüner Anleihen verzeichnet werden. Diese betrugen etwa 270 Milliarden Dollar. Der größte Anteil dieser sogenannten Green Bonds fällt auf Europa. Zur Erreichung der Klimaneutralität wurde der “Green Deal” in Europa ins Leben gerufen. Der Kapitalbedarf zur Umsetzung ist immens. Nach Berechnungen der Europäischen Zentralbank sind Investitionen in Höhe von rund 330 Milliarden Euro jährlich für Europa nötig, um diese Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Die meisten Unternehmen finanzieren sich allerdings noch immer durch herkömmliche Bankkredite. Mithilfe dieser Kredite sind die angestrebten Ziele unerreichbar und lassen sich nur über den europäischen Kapitalmarkt generieren.

Der grüne Kapitalmarkt

Um die Nachhaltigkeit der Aktivitäten überprüfbar zu machen, braucht Europa ebenso einheitliche und weitreichende Offenlegungspflichten wie Unternehmen. Der “Green Bond Standard”, den die EU veröffentlichte, kann helfen, die Glaubwürdigkeit aufrechtzuerhalten und Europa zum globalen Leader für grüne Investitionen zu machen. 

Wie sich der Green-Finance-Markt entwickelt

Investoren, Banken und diverse weitere Marktteilnehmer erhöhen stetig den Druck nachhaltige, soziale und ökonomische Zielsetzungen zu berücksichtigen. Als Ergebnis entwickeln sich mehrere Instrumente, um diese Absichten umzusetzen. Auch an den Marktdaten lassen sich die dynamischen Entwicklungen des Green Finance-Marktes erkennen. 

So wurden laut eines Reports von KPMG Anfang 2020 in Westeuropa bereits 97 ESG-linked und Green Loans sowie Schuldscheindarlehen mit einem Gesamtvolumen von 47,3 Mrd. € vergeben. Gleichzeitig wurden in Westeuropa außerdem 438 Green, Social und Sustainability Bonds mit einem Gesamtvolumen von 166 Mrd. € emittiert. Dies entspricht einem Wachstum des Gesamtvolumens von 272 Prozent bzw. 152 Prozent über einen Zeitraum von vier Jahren. Daraus lässt sich ebenfalls ableiten, dass die anhaltende Corona-Krise keinen bis wenig Einfluss auf den Aufwärtstrend des Green-Finance-Marktes verübt. 

Nachhaltige Finanzierungen gewinnen zunehmend an Interesse 

Aus einer Umfrage von “Der Treasurer” gehen die folgenden Tendenzen bezüglich nachhaltiger Finanzierungen hervor:

Nachhaltige Finanzierungen gewinnen zunehmend an Interesse 

Die verschiedenen Gestaltungsformen von Green Finance 

Aufgrund der Tatsache, dass bisher keine einheitlichen Definitionen und Abgrenzungen definiert wurden, hat sich hinsichtlich der Ausgestaltungsmöglichkeiten eine große Vielfalt entwickelt.

Die verschiedenen Gestaltungsformen von Green Finance

Die verschiedenen Akteure auf dem Green-Finance-Markt 

Green Finance ist geprägt durch das Handeln vielfältiger Akteure des Finanzsektors. Finanzinstitutionen auf nationaler und internationaler Ebene können durch gezielte Investitionen die Transformation maßgeblich beeinflussen und vorantreiben.

  • Banken 

  • Institutionelle Investoren 

  • Internationale Finanzinstitutionen 

  • Zentralbanken und Aufsichtsbehörden 

Die allgemeinen Herausforderungen für Green Finance 

Staatliche Quellen können die grüne Transformation gar nicht, bzw. nur schwer finanzieren. Selbst unter Berücksichtigung der kompletten Bandbreite des ungefähren Finanzbedarfs. Infolgedessen entsteht eine große Notwendigkeit für privates Kapital, allerdings sind private grüne Finanzierungen noch immer knapp. Ursache dafür sind unterschiedliche mikroökonomische Hürden: 

  • Probleme bei der Internalisierung von Umweltkosten 

  • Informationsasymmetrien 

  • unzureichende Analysekapazitäten bei Emittenten und Investoren 

  • Fristeninkongruenzen 

  • Das Fehlen einer einheitlichen und anerkannten Definition von “grün” 

Des Weiteren lässt die uneinheitliche und nicht anerkannte Definition von Green Finance viel Raum für “Greenwashing”. Darunter werden beispielsweise irreführende Angaben von Emittenten zum umweltfreundlichen Charakter ihrer Anlagen verstanden. Außerdem passt der kurzfristige zeitliche Horizont von Sparen und Investitionen nicht zur langfristig ausgelegten Strategie grüner Investitionsvorhaben. Diese laufen oft über die Zeitspanne von einem Jahrzehnt hinaus. Über diese allgemeinen Herausforderungen hinaus behindern zusätzlich spezifische Probleme einzelner Akteure die Ausbreitung von Green Finance. 

Der Green Deal 

Die europäische Union hat sich dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Um dieses Ziel zu realisieren, ist ein sozialer und wirtschaftlicher Wandel in Europa erforderlich, der auf kosteneffiziente, gerechte und sozial ausgewogene Weise zu vollziehen ist. 

Am 11. Dezember 2019 hat die Kommission ihre Mitteilung über den europäischen Green Deal vorgelegt. Dieser Green Deal stellt die neue Wachstumsstrategie der EU dar und soll die EU auf den Weg zu einer klimaneutralen, fairen und wohlhabenden Gesellschaft mit einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft bringen. Folgende Strategien wurden im Zuge dessen vorgeschlagen: 

  • Europäisches Klimagesetz: Vorschlag die beschlossene Klimaneutralität bis 2050 rechtlich zu verankern. 

  • EU-Biodiversitätsstrategie: Die Stärkung von Schutzgebieten in Europa und die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme, indem die ökologische / biologische Landwirtschaft ausgeweitet, der Einsatz und die Schädlichkeit von Pestiziden reduziert und Bäume gepflanzt werden.

  • Strategie “Vom Hof auf den Tisch”: Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, die Herstellung und den Verzehr von Lebensmitteln in Europa so umzugestalten, dass sich der ökologische Fußabdruck der Lebensmittelsysteme verkleinert und die Widerstandsfähigkeit dieser Systeme gegenüber Krisen verstärkt. Außerdem ist dafür zu sorgen, dass den Menschen von heute sowie künftigen Generationen gesunde und erschwingliche Lebensmittel zur Verfügung stehen.

  • Europäische Industriestrategie & Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft: Die Industrie der EU soll als Beschleuniger und Wegbereiter für Wandel, Innovation und Wachstum fungieren.

  • Mechanismus für einen gerechten Übergang: Für einige Mitgliedstaaten und Regionen wird es schwieriger sein als für andere, die Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Infolgedessen hat die EU einen Mechanismus für den gerechten Übergang eingeführt. Dieser soll den Regionen finanzielle und technische Unterstützung bieten, die vor den größten Hürden bei der Umstellung auf eine CO2-arme Wirtschaft stehen.

  • Saubere, erschwingliche und sichere Energie: Die Dekarbonisierung des Energiesektors ist ein entscheidender Schritt in Richtung einer klimaneutralen EU. Folgende Themen spielen hier eine entscheidende Rolle: Erneuerbare Offshore-Energie und Wasserstoff. 

  • EU-Nachhaltigkeitsstrategie für Chemikalien: Hier geht es um eine langfristige Vision für die Chemikalienpolitik der EU. Mit dieser Strategie wollen die EU und ihre Mitgliedstaaten die menschliche Gesundheit besser schützen, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie stärken und zu einer schadstofffreien Umwelt beitragen.

  • Nachhaltige und intelligente Mobilität:  Schätzungen zufolge sind die Emissionen des Verkehrssektors bis 2050 um 90 % zu senken, um die EU Klimaneutralität zu erreichen.

  • Renovierungswelle: Ziel dieser Strategie ist es, die Renovierungsbemühungen in der ganzen EU zu intensivieren. Dadurch will die EU den notwendigen Beitrag des Gebäudesektors zum Klimaneutralitätsziel der EU für 2050 leisten und einen fairen und gerechten grünen Wandel erreichen. 

Ein Beispiel für nachhaltige Investitionen: Singapurs grüne Gebäude 

Die Bevölkerungsdichte Singapurs und die Endlichkeit seiner natürlichen Ressourcen haben die Regierung dazu veranlasst, innovative Maßnahmen zur Ressourcen- und Energieeffizienz zu ergreifen. Das Ergebnis ist eine nachhaltige und naturfreundlich gebaute Umwelt, die den Ressourcenverbrauch minimiert.

Grüne Baumaterialien, Entwürfe und Technologien integrieren das Kreislaufdenken in den Lebenszyklus der Infrastruktur. Singapur verfügt über Standards, die Bauverantwortliche dazu anleiten, Abfallmaterialien zur Wiederverwendung oder zum Recycling zu maximieren und so Materialkreisläufe zu schließen. Das Land hat mit einer Kombination aus Anreizen, Zertifizierungen, Standards, Zielvorgaben und F&E-Initiativen ein effektives Umfeld geschaffen.

Welche Rolle spielt Greenwashing? 

Im Fokus von Green Finance steht in erster Linie, Gutes zu tun. Sowohl sozial als auch für die Umwelt. Doch das Thema Green Finance und ESG lösen in der Finanzbranche Kontroversen und Diskussionen aus. Nicht nur das Thema Nachhaltigkeit ist endgültig im wirtschaftlichen Mainstream angekommen, sondern auch die Angst vor dem Missbrauch. Vor allem US-Investoren befürchten, dass Unternehmen deren Nachhaltigkeitsmanagement deutlich positiver darstellen, als es in Wahrheit ist. Laut Handelsblatt halten 65 Prozent der US-Anleger “Greenwashing” für ein ernstes Problem. In Asien hingegen sind es 20 Prozent, während der Vergleichswert in Europa bei deutlich unter 5 Prozent liegt. 

Blick in die Zukunft: Unternehmen bekommen den Klimawandel zu spüren

Nicht nur wirtschaftliche Gründe sorgen für einen Sinneswandel. Auch das wachsende Gefühl der eigenen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft sorgt hier für eine Veränderung. Dabei spielt die Corona-Pandemie eine Schlüsselrolle. Aber es gibt noch einen weiteren Grund für das gewachsene ESG-Bewusstsein in der Wirtschaft. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen bekommen laut Handelsblatt die Folgen des Klimawandels bereits selbst zu spüren. Das ist der höchste Umfragewert seit drei Jahren, und deutlich mehr als die 37 Prozent aus dem Vorjahr. Weitere 30 Prozent gehen davon aus, dass die Erderwärmung mittelfristig ihr Geschäft beeinflussen wird. Lediglich ein Prozent glaubt, dass das niemals der Fall sein wird.

Eines ist jedoch klar: Der Umschwung von allen Finanzakteuren in Richtung einer grünen Investitionsstrategie ist unabdingbar. Hier sind langfristige Ziele zu definieren und schrittweise umzusetzen.