Flinders

„Wir versuchen, im Geschäft und auch online ein bestimmtes Gefühl zu vermitteln. Wir zeigen, dass wir wissen, welche Story hinter den Produkten steckt.“

Interview mit Geert-Jan Smits — Gründer von Flinders.

Flinders

Flinders versucht, Design für alle zugänglich zu machen. Der Unternehmen ist einer der am schnellsten wachsenden Wohndesign-Shops der gesamten Wohnbranche. CEO Geert-Jan Smits: „Wohndesign-Shops sind ziemlich traditionell, um nicht zu sagen altmodisch. Die Branche beruht schon seit Jahren auf demselben formalen Prinzip. Gleich vom ersten Tag an haben wir eine andere Vision vor Augen gehabt. Wir sind ein disruptives Unternehmen, verfolgen eine Multichannel-Strategie und sind genau da, wo unsere Kunden sich befinden. Das mag vielleicht nicht disruptiv klingen, ist es aber. Es ist etwas ganz anderes als ein Wohnungsausstatter, der darauf hoffen muss, dass Kunden kommen.“

“Wir verfolgen eine Multichannel-Strategie und sind genau da, wo unsere Kunden sich befinden.”

Geert-Jan Smits Gründer von Flinders

Der Laden von Flinder hat schöne Möbel

“Wir beliefern Sie nicht”

Vor Flinders hatte Geert-Jan eine Internet-Beratungsfirma: Jungle Minds. Nach 10 Jahren Beratungsarbeit war es Zeit für etwas Anderes. „In mir steckt ein Händler, also habe ich ganz rational nach einer Kategorie gesucht, die im Internet noch jungfräulich war.“ Er kam bei Designmöbeln aus. „Man hat mich für verrückt erklärt. Je mehr Leute mich für verrückt erklären, desto mehr Spaß habe ich daran.“ Was nicht gleich heißt, dass alles ein Kinderspiel war. „Um festzulegen, welche Marken wir führten mussten, habe ich erst untersucht, welche Marken oft in den Suchbegriffen vorkamen. Ich kannte diese Marken nicht, also habe ich dort angerufen. Immer wieder stellte man mir dann die Frage: ‚Wieviel Quadratmeter Verkaufsfläche haben Sie? Wo ist Ihr Geschäft? Oh, Sie wollen übers Internet verkaufen? Dann beliefern wir Sie nicht.‘ Notgedrungen haben wir uns eine Gewerbefläche gesucht. Dann haben wir mit den Flinders Cafés angefangen. An stark frequentierten Standorten, wo die Leute gerne für ein Bier oder einen Kaffee vorbeikommen. Und alles, woran und worauf sie sitzen, ist Flinders.“

Inzwischen ist das Geschäft ein zentraler Bestandteil des Gesamtkonzepts. „Ich bin jetzt total davon überzeugt. Man braucht tatsächlich ein Geschäft, um den Leuten die Produkte nahezubringen. Denn in solch einem Café auch Möbelartikel verkaufen ist gar nicht so einfach. Und die Leute, die dort hinter der Bar stehen, sind nicht unbedingt die besten Interieur-Berater. Wir haben ein fantastisches Geschäft in Zaandam, das wir 2015 eröffnet haben.“ Dennoch betreibt Flinders immer noch Cafés. „Café De Bajes am Rembrandtplein ist von uns, nur weiß niemand, dass alles Flinders ist.“

Geert-Jan Smits — Gründer bei Flinders

“Der durchschnittliche Webshop ist total langweilig”

Was Flinders sehr gut versteht, ist, dass es Kunden nicht gerade leicht fällt, Möbel zu kaufen. Geert-Jan: „Um mich herum sind sehr viele Leute, die sagen: ‚Ich würde zwar gerne schöne Designstücke kaufen, habe aber keine Ahnung, wo. Also gehe ich eben zu IKEA.’ Außerdem ist der durchschnittliche Webshop total langweilig: Man sieht nur Packshots der Produkte. Da fällt es schwer, sich ein Gesamtbild zu machen und das Ambiente zu beurteilen. Deshalb versuchen wir sowohl im Geschäft als auch online ein bestimmtes Gefühl zu vermitteln. Wir möchten demonstrieren, dass wir Ahnung vom Fach haben und wissen, welche Storys hinter den Produkten stecken. Denn wir verkaufen Artikel aus dem Premium-Segment. So ein Stuhl (zeigt auf einen Glasfaserstuhl von Vitra) ist ja nicht billig. Dafür sparen die Leute.“

Geert-Jan beruft sich auch auf eigene Erfahrungen. „Als ich mit Flinders angefangen habe, wusste ich nichts über Design. Ich hatte noch nie von den Marken gehört und fand alles lachhaft teuer. Doch dann begibt man sich in die Fabrik und hört, was alles dahinter steckt. Im Fall von Gartenmöbeln von Fermob erfährt man so zum Beispiel, dass sie für den Jardin du Luxembourg in Paris entworfen wurden. Die aus Aluminium gefertigten Möbel sind federleicht und bleiben optisch schön. Dadurch habe ich die Möbel schätzen gelernt. Aber ich realisiere auch, dass wir einen Nischenmarkt bedienen und wie teuer die Dinge sind, die wir verkaufen. Daher können Sie auf unserer Website diese Story lesen, aber Sie müssen auch einmal auf diesem Stuhl gesessen haben.“

“Der durchschnittliche Webshop ist total langweilig: Man sieht nur Packshots der Produkte.”

Geert-Jan Smits Gründer von Flinders

“Das betrachten wir nicht als Ausgabenposten”

Derartige Erkenntnisse sind wichtige Einflussfaktoren für das Konzept von Flinders. „Es klingt furchtbar simpel, so ein Webshop, aber jede Online-Bestellung beruht auf einer Menge Kontaktmomenten mit dem Kunden vorab.“ Auch deshalb setzt Flinders alle möglichen Kanäle ein. „Und damit meine ich wirklich alle überhaupt möglichen Kanäle. Wir haben den Webshop selbst, die Cafés, das Geschäft, beraten die Kunden aber auch vor Ort. Das tut sonst so gut wie keiner, denn es kostet zu viel Geld. Wir verkaufen auch über Marktplätze, Chat, E-Mail und Telefon. Das betrachten wir nicht als Ausgabenposten, denn wir sehen, dass es eindeutig dem Pre-Sale zugutekommt. Wir haben eine Projektabteilung für gewerbliche Kunden und auch soziale Medien spielen eine wichtige Rolle. Wir bitten Kunden, ihre gekauften Artikel unter #myflinders zu präsentieren. Auf Instagram gibt es über 500 Beiträge. Da sind geniale Sachen bei.“

Flinder's Startseite

„Was uns unterscheidet und Erfolg beschert: Wir erreichen tatsächlich die Kunden über all diese Kanäle. Das soll ein durchschnittlicher Wohnungsausstatter erst einmal schaffen. Hinzu kommt, dass wir das Vorratsmodell eingeführt haben. Wir gehören zu den allerersten in der Wohnbranche, die eine Next day delivery ermöglicht haben. Zuvor war es normal, acht bis zehn Wochen auf die bestellten Möbel zu warten. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Wir haben von Anfang an gesagt: Das muss anders gehen.“

Schneller und cleverer als die Konkurrenz

Alles dreht sich um die Kundenerfahrung, eine möglichst gute „Customer Experience“. Dazu gehören auch die Zahlungen. „Sie machen letztendlich nur einen kleinen, sehr wohl aber wichtigen Teil der Kundenerfahrung aus. Das trifft nicht nur auf den Kunden, sondern auch auf mich zu. So ein wichtiges Serviceelement ist wie eine Lebensader. Und die vertraue ich nicht dem erstbesten an.“

„Etwas ganz Besonderes ist, dass euer Unternehmensgründer (Adriaan Mol - Anm. d. Red.) letztes Jahr bei den Loey Awards ausgezeichnet wurde. Ich bin in der Internetwelt zuhause, also ist dies für mich eine Bestätigung. Die Story von Mollie und die Tatsache, dass ihr als echtes Tech-Unternehmen agiert, sorgen dafür, dass ihr viel schneller und cleverer als die Konkurrenz seid. Super finde ich die Möglichkeiten, Dinge selbst anzupassen und das rasante Tempo bei der Umsetzung. Die Kombination aus Technologie und Menschen, die proaktiv mitdenken, zahlt sich aus. Der Kontakt verläuft sehr angenehm, auch das ist ein wichtiger Faktor. Durch das Konzept von Mollie sind wir in der Lage, diese Dienstleistungen auch künftig gut zu erbringen, zum Beispiel mit neuen Ländern und Möglichkeiten.“

“Etwas ganz Besonderes ist, dass euer Unternehmensgründer bei den Loey Awards ausgezeichnet wurde.”

Geert-Jan Smits Gründer von Flinders

Wunderschön gestaltete Möbel von Flinders

Ein total anderes Unternehmen

Denn mit der Zukunft beschäftigt sich Geert-Jan am laufenden Band. „Wie sieht in fünf Jahren mein Mehrwert aus? Man muss sich selbst immer wieder in Frage stellen, sonst wird man innerhalb weniger Jahre von links und rechts überholt. Das geht dann schnell. Flinders kann in fünf Jahren ein total anderes Unternehmen sein. Das ist schon spannend.“

„Diese Überlegungen gehören zu den Dingen, die mir am meisten Spaß machen. Und es hilft, dass ich viele gleichgesinnte Menschen um mich herum versammelt habe, die mitwirken möchten und kritisch sind. Bei den diesjährigen Thuiswinkel Awards sind wir zum besten Wohndesign-Shop der Niederlande gekürt worden. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir diese Auszeichnung nach neun Jahren im Business bekommen haben. Es ist uns klar, dass wir schon längst kein Startup-Unternehmen mehr sind, aber die dazugehörige Kultur möchte ich gerne beibehalten. Eigentlich haben wir gerade erst angefangen. Wir möchten die Welt erobern, so entstehen fantastische Dinge.“

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Ich hätte es nicht gewagt, solche Ziele in unseren Geschäftsplan aufzunehmen. — Anne, Vedder & Vedder