Cashflow verstehen & berechnen

Familie & Finanzen: So gehen Familien in Deutschland mit Geld umFamilie & Finanzen: So gehen Familien in Deutschland mit Geld um
Nick Knuppe
Head of Product Marketing
Kundenfokussiert und marktorientiert: Ein Marketer mit Hang zum Perfektionismus.

Cashflow ist ein Begriff, welcher im finanzwirtschaftlichen Kontext verwendet wird, um die Finanzkraft eines Unternehmens zu beurteilen. Gerade bei der Überlegung in ein bestimmtes Unternehmen zu finanzieren, ist der Cashflow ein wichtiges Entscheidungskriterium. 

Cashflow-Margen und Innenfinanzierungskraft sind für Sie Fremdwörter? In diesem Beitrag erklären wir Ihnen, woraus sich der Cashflow zusammensetzt und wie er zu interpretieren ist. Außerdem erfahren Sie, weshalb ein positiver Cashflow wichtig ist und wie dieser erreicht wird. 

Was ist Cashflow? 

Cashflow, im deutschen Kapitalfluss oder Geldfluss genannt, agiert als wichtige Kennzahl für Unternehmen. Was genau dahinter steckt, wie diese berechnet wird und welche immensen Einsichten wie auch Möglichkeiten der Indikator bietet, erfahren Sie im Folgenden. 

Definition Cashflow

Als Bilanzkennzahl spiegelt der Cashflow die Finanz- und Ertragskraft von Unternehmen wider. Der bedeutende Indikator zeigt also an, wie es um ein Unternehmen steht. So stellt er den Geldzufluss und Geldabfluss eines Unternehmens innerhalb einer bestimmten, definierten Rechnungsperiode dar. 

Dabei werden das erwirtschaftete Kapital und die Ausgaben eines Unternehmens gegenübergestellt. Dieser Vergleich von Ein- und Auszahlungen ermöglicht die optimale Berechnung liquider Mittel des Unternehmens. Vorgänge, welche nicht zahlungswirksam sind, dürfen auch nicht im Cashflow erscheinen. Dazu zählen beispielsweise Rückstellungen, Zuschreibungen und Abschreibungen.

Die Bedeutung von positivem und negativem Cashflow 

Der Cashflow gibt einen Einblick in die Liquidität eines Unternehmens, was besonders für Banken, Investoren und mögliche Geschäftspartner von Bedeutung ist. Diese möchten sich vor Vertragsabschluss eine möglichst hohe Sicherheit einholen und sind daher immer sehr an einem positiven Cashflow. 

Der berechnete Cashflow ist grundsätzlich entweder positiv oder negativ. Sind innerhalb des Geschäftsjahres die Einnahmen höher als die Ausgaben, entsteht ein Jahresüberschuss: Der Cashflow ist somit positiv. Sind die Ausgaben allerdings höher als die Einnahmen, ergibt sich ein Jahresfehlbetrag. Dieser spiegelt sich in einem negativen Cashflow wider.

Positiver Cashflow

Ist der Cashflow eines Unternehmens positiv, so hat es über den betrachteten Zeitraum mehr eingenommen, als es ausgegeben hat. Ein positiver Cashflow bedeutet für das Unternehmen, dass es die überschüssigen Einnahmen neu investieren, oder aber auch die Summe der Privatentnahmen erhöhen kann. Für externe Kapitalgeber ist ein positiver Cashflow ausschlaggebend, um die Auszahlung eines Kredites zu gewähren, da so gewährleistet ist, dass das Unternehmen den Tilgungszahlungen nachkommen kann. Die Höhe des positiven Cashflows dient dabei als Berechnungsgrundlage für mögliche Rückzahlungsraten. 

Negativer Cashflow

Ein negativer Cashflow entsteht dann, wenn die Ausgaben eines Unternehmens höher sind als die Einnahmen. Er deutet auf unwirtschaftliches Handeln des Unternehmens hin und kann langfristig, bei ausbleibenden Interventionen, eine Insolvenz zur Folge haben. Weist ein Unternehmen einen negativen Cashflow vor, ist es unwahrscheinlich, dass Banken einen Kredit gewähren oder das Unternehmen neue Investoren gewinnt. Bestehende Kreditgeber sehen durch einen negativen Cashflow außerdem die Erfüllung der Tilgungsraten als gefährdet.  

Cashflow Arten - die verschiedenen Kategorien 

Der Saldo der Ein- und Auszahlungen lässt sich in verschiedene Bereiche kategorisieren. 

So können Sie die Arten des Cashflows unterscheiden: 

Operativer Cashflow / Brutto Cashflow

Mit dem operativen Cashflow erhalten wir Auskunft über die Innenfinanzierungskraft  eines Unternehmens, und somit zudem über die jeweilige Wettbewerbsfähigkeit. Die Innenfinanzierungskraft ist ein Indikator, welcher angibt, ob ein Unternehmen Investitionen aus eigener Kraft stemmen kann. Je größer der Anteil an Investitionen, die aus eigenen Mitteln bestritten werden können, desto unabhängiger ist das Unternehmen von den finanziellen Mitteln einer Außenfinanzierung.

Der operative Cashflow bezieht sich auf gängige Geschäftstätigkeiten eines Unternehmens. Das heißt, dass nur Ausgaben und Erträge aus normalen Geschäftstätigkeiten, wie z.B. Produktionskosten, mit einbezogen werden. Somit entsteht diese Art des Cashflows durch die Wertschöpfungskette. Einfacher ausgedrückt, gibt der operative Cashflow an, inwiefern ein Unternehmen durch seine laufenden Tätigkeiten ausreichend Erträge erwirtschaften kann, um wiederum die laufenden Ausgaben für beispielsweise die Produktion zu decken.

Ist der operative Cashflow positiv, so stehen dem Unternehmen genügend liquide Mittel zur Verfügung. Ist er jedoch negativ, so sollte interveniert werden. Beläuft sich das auf einen Dauerzustand, hat dies eine Insolvenz zur Folge. 

Cashflow aus Investitionstätigkeit

Der Cashflow aus Investitionstätigkeit konzentriert sich auf Ein- und Auszahlungen eines Unternehmens, welche durch Investitionen verursacht wurden. Die Differenz der aus Investitionstätigkeiten entsprungenen Zahlungen, bildet ab, ob ein Geschäftsjahr positive oder negative Rückflüsse ergeben hat. Folglich bezieht sich der Cashflow aus Investitionstätigkeit auf monetäre Vermögenswerte sowie physische Investitionen wie Produktionsanlagen. Werden Maschinen verkauft, so ist das eine Einzahlung in den Investitions-Cashflow. 

Cashflow aus Finanzierungstätigkeit

Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit bildet alle Kapitalflüsse ab, die sich auf Eigenkapitaländerungen eines Unternehmens beziehen. Zugehörig dazu sind beispielsweise die Auszahlung von Gewinnanteilen und Dividenden. Die Ausgabe von Aktien, also Gewinnanteilen, erhöht das Eigenkapital, die Ausschüttung von Dividenden senkt es. Dieser Finanz-Cashflow ist von hoher Relevanz, da er dafür sorgen kann, ein Unternehmen stets mit Geld zu versorgen. Auszahlungen hingegen diesen z.B. dazu laufende Kredite zu bedienen.

Free Cashflow / Netto Cashflow

Der Free Cashflow fokussiert sich auf die liquiden Mittel am Ende einer Geschäftsperiode. Er enthält also das freie Geld, das dem Unternehmen noch zur Verfügung steht. Damit können dann zum Beispiel Kredite zurückgezahlt, Aktien zurückgekauft oder Fremdkapital zurückgeführt werden. Dieser freie Geldstrom ist also ein Indikator für die Rückzahlungsfähigkeit

Es gibt Unternehmen, welche den Cashflow gezielt beeinflussen, indem Sie Investitionen vorverlegen oder auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Da der Free Cashflow die Investitionstätigkeiten nicht berücksichtigt und es sich somit um ein klares Bild tatsächlicher Geldmittel handelt, lässt sich der Free Cashflow nicht manipulieren. 

Der Nutzen von Cashflow 

Mit zunehmender Globalisierung ist es für Unternehmen und Investoren wichtig, eine einheitliche Kennzahl zur Beurteilung der wirtschaftlichen Verfassung eines Unternehmens zu haben. Der Brutto-Cashflow wird weltweit identisch anhand der Erträge und Ausgaben berechnet und eignet sich daher ideal, um eine verlässliche Aussage über die Unternehmenssituation zu geben. So gewinnen Kapitalgeber einen Überblick darüber, wie “gesund” ein Unternehmen finanziell aufgestellt ist, inwieweit es wettbewerbsfähig ist und ob in nächster Zeit eine Insolvenz zu erwarten ist. 

Auch innerhalb des Unternehmens ist der Cashflow eine bedeutende wirtschaftliche Kennzahl, da er die Summe der selbst erwirtschafteten Erträge, den Ausgaben gegenüberstellt und so preisgibt, ob ein Defizit oder ein Überschuss vorliegt. Mit dieser Information können Unternehmen zukünftige Investitionen oder Einsparungen planen und gewinnen gleichzeitig einen Überblick über die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens. Liegt beispielsweise ein Defizit vor, müssen Ausgaben und Privatentnahmen künftig reduziert werden, während bei einem Überschuss über eine außerordentliche Schuldentilgung und weitere Investitionen nachgedacht werden kann. 

Der Cashflow ist demnach ein Indikator für: 

  • Innenfinanzierungskraft: Welche Investitionen kann sich das Unternehmen leisten, oder welche Einsparungen sind erforderlich? 

  • Verschuldungsfähigkeit: Reichen die erwirtschafteten finanziellen Mittel aus, um Schulden eines Darlehens zu tilgen und mit welcher Laufzeit muss gerechnet werden? 

  • Ertragskraft: Wie profitabel ist ein Unternehmen und welche Gewinne kann es erzielen? 

  • Rentabilität: Wie viel Einnahmenüberschuss konnte durch das eingesetzte Kapital erzeugt werden? 

Das allgemeine Ziel der Nutzung des Cashflows als Indikator ermöglicht also einen frühzeitigen Einblick in die kurz-, mittel- und langfristige finanzielle Situation des Unternehmens.

Cashflow: Berechnungsmethoden 

Die Berechnung des Cashflows kann auf zwei unterschiedliche Arten erfolgen, die indirekte Methode und die direkte Methode. Im Grunde führen jedoch beide zu dem gleichen Ergebnis. Generell ergibt sich der Cashflow aus dem Saldo der Einnahmen und Ausgaben eines Unternehmens. Welche Methode schlussendlich zur Berechnung genutzt wird, ergibt sich aus den verfügbaren Informationen und ist bedarfsabhängig. Liegen zum Beispiel keine internen Informationen über die Ausgaben und Einnahmen des Unternehmens vor und öffentliche Quellen müssen genutzt werden, eignet sich die indirekte Methode eher, da diese auf Basis des öffentlich zugänglichen Jahresabschlusses durchgeführt werden kann. Die direkte Methode wird aufgrund der Einfachheit und der vorhandenen Informationen also eher intern durchgeführt. 

Der indirekte Cashflow

Die Berechnungsgrundlage für die indirekte Methode ist der bilanzielle Erfolg eines Unternehmens, bzw. der Jahresabschluss. Bei der Berechnung müssen aus dem Jahresabschluss alle zahlungsunwirksamen Positionen herausgerechnet werden. Dabei muss zwischen Aufwendungen und Erträgen unterschieden werden.

Bei der indirekten Methode wird daher berücksichtigt, dass nicht alle Mittel, die Einfluss auf den positiven oder negativen Cashflow haben, tatsächlich in liquider Form vorliegen. Der Gewinn wird also bereinigt. 

Der direkte Cashflow 

Die direkte Berechnung des Cashflows ist sehr einfach, da alle zahlungswirksamen Betriebsausgaben und Betriebseinnahmen saldiert werden. Saldieren bedeutet das Verrechnen der Erträge und Aufwendungen zu einer Gesamtbilanz. Die Berechnungsgrundlage hierfür ist die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV), die nach dem Gesamtkostenverfahren erstellt wurde. Daher wird sie auch häufiger für interne Berechnungen verwendet, als die indirekte Methode. 

Aufgrund der Verwendung interner Daten, wird diese Berechnungsmethode für Außenstehende als weniger zuverlässig erachtet, da sie die Berechnungen und das daraus resultierende Ergebnis nicht überprüfen können. 

Cashflow-Marge: Ab wann ist ein Cashflow hoch?

Eine Kennzahl zur Einordnung eines positiven Cashflows ist die sogenannte Cashflow-Marge. Sie gibt den prozentualen Anteil des Cashflows am Umsatz an. Sie zeigt somit an, welcher Teil des Umsatzes als Überschuss verbleibt. Bei einer größeren Cashflow-Marge steigt auch die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens. Eine Cashflow-Marge kann als gut bezeichnet werden, sobald der Wert über 8 % liegt.

Wie lässt sich Cashflow verbessern? 

Ein hoher Cashflow ist wichtig, weshalb ein Blick auf mögliche Verbesserungen stets essenziell ist. Das hat den einfachen Grund, dass Ihnen bei einem negativen Cashflow kein Kapital für neue Investitionen zur Verfügung steht. Grund zur Sorge besteht allerdings erst, wenn der Cashflow über einen längeren Zeitraum konstant negativ bleibt. Damit das nicht passiert, sollten Sie die folgenden Tipps beachten.

Zahlungsbedingungen aushandeln

Besonders bei Produkten, die eine hohe Gewinnspanne haben, ist es empfehlenswert, mit Lieferanten attraktive Zahlungsbedingungen auszuhandeln. Die Möglichkeit später zu zahlen, erlaubt dem Unternehmen langfristig eine bessere Kalkulation, auch wenn mit dieser Option in der Regel zusätzliche Kosten anfallen. 

Auch könnte es von Vorteil sein, eine niedrigere Bestellmenge einer Bestellung beim Lieferanten in Auftrag zu geben. Das ist jedoch erst sinnvoll, wenn die Versandkosten nicht erheblich teurer und die Kosten der Bestellmenge nicht von der  Größe der Bestellmenge abhängig sind. So können Unternehmen die Bestellungen über einen längeren Zeitraum durchgehend verteilen. Dieses Verfahren verringert Probleme mit dem Cashflow, weil so ausgiebiger mit finanziellen Mitteln geplant werden kann. 

Kontrolle der Ausgaben 

Um unnötige Kosten zu vermeiden, sollte die Kontrolle der Ausgaben ein wichtiger Punkt zur Verbesserung des positiven Cashflows sein. Ein bewährtes Mittel ist es, eine Liste über die Gesamtausgaben zu führen. Unternehmen zahlen beispielsweise häufig für Räumlichkeiten, die kaum bis gar nicht genutzt werden. Da lohnt es sich, einen kleineren Raum zu mieten. Sollte auf die Nutzung von gewissen Räumlichkeiten gänzlich verzichtet werden können, können hier Ausgaben eingespart werden. Eine Maßnahme, die für viele Unternehmen einfacher zu realisieren ist als der vollständige Verzicht auf Büroräumlichkeiten, ist das Etablieren eines hybriden Konzepts mit Home-Office-Option oder Coworking-Spaces.

Auch die Betriebskosten sollten nicht außer Acht gelassen werden. Energieeffiziente Lösungen wie Bewegungsmelder zur Regulierung des Lichts tragen ebenfalls zu einer Reduzierung unnötiger Kosten bei und sind gleichzeitig umweltschonend. 

Kurzfristige Zahlungsziele

Damit ein stetiger Geldfluss entsteht, sollte auf langfristige Zahlungsziele verzichtet werden. Um eine frühzeitige Zahlung für Kunden attraktiv zu machen, können Unternehmen ihren Käufern Rabatte bei einer Vorauszahlung von beispielsweise 2 % gewähren. So stellen Unternehmen sicher, dass sie immer über ausreichend Barmittel verfügen. 

Optimieren des Auftragswerts 

Der durchschnittliche Auftragswert (engl. Average Order Value, kurz AOV) kann den Cashflow ebenfalls positiv beeinflussen. Er gibt den durchschnittlichen finanziellen Wert eines Auftrags für das Unternehmen an. Im Bereich E-Commerce wäre dies dementsprechend der durchschnittliche Bestellwert im Warenkorb. 

Der AOV sollte stetig optimiert und erhöht werden. Es müssen langfristig weniger Kunden akquiriert werden, da die Bestandskunden überwiegend das Umsatzziel des Unternehmens generieren. So können Kosten für Marketing, die sonst auf die Akquirierung von Neukunden abzielen würden, eingespart werden. Mit Anstieg des AOV steigt auch der Wert, den der Kunde in das Unternehmen bringt.

Fazit 

Der Cashflow agiert als wichtige Kennzahl in der Finanzwelt und hat sich als Bewertungsgrundlage für die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens etabliert. Die Bilanzkennzahl dient zur Analyse des Netto Cashflows und des Brutto Cashflows. Um den Geldfluss zu ermitteln, gibt es zwei Optionen: die direkte und die indirekte Methode. 

Der Cashflow erlaubt Ihnen außerdem Rückschlüsse auf die Innenfinanzierungskraft, die Verschuldungsfähigkeit, die Rentabilität und die Ertragskraft eines Unternehmens und wird in positiv und negativ unterteilt. Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es für Unternehmen wichtig, den Cashflow zu optimieren. Mit verschiedenen Maßnahmen können Kosten eingespart und Erträge gesteigert werden, sodass eine möglichst hohe Cashflow-Marge entsteht. 

Sie haben noch Fragen rund um das Thema Cashflow? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

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