Alles, was Sie über PSD3 und PSR wissen müssen

Erfahren Sie, wie sich PSD3 und PSR auf Ihr Unternehmen auswirken – von Vertrauen und Betrugsbekämpfung bis zum Compliance-Zeitplan 2026/27.

Erfahren Sie, wie sich PSD3 und PSR auf Ihr Unternehmen auswirken – von Vertrauen und Betrugsbekämpfung bis zum Compliance-Zeitplan 2026/27.

02.07.2024

WARNUNG: Trotz unserer Bemühungen enthält dieser Artikel eine Menge Abkürzungen und Akronyme. Bitte nutzen Sie das Glossar am Ende des Artikels. 

Wenn Sie bereits Erfahrung mit europäischen Zahlungen haben, wissen Sie, dass diese ein wenig wie ein Labyrinth sein können. Da verschiedene Länder historisch gesehen ihre eigenen Systeme betrieben haben, kann selbst eine einfache grenzüberschreitende Transaktion zu Frustrationen führen.

Deswegen hat die Europäische Kommission im Jahr 2007 die erste Zahlungsdiensterichtlinie (PSD1) eingeführt. 

Dieser grundlegende Entwurf ermöglichte die Schaffung des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums (SEPA) und wurde bis 2009 in allen EU-Mitgliedstaaten gesetzlich verankert.

Seitdem hat sich der Zahlungsverkehr von „Plastikkarten im Portemonnaie“ zu „digitalen Karten auf dem Smartphone“ und sogar zu „biometrischen Daten auf der Uhr“ gewandelt. Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, werden die Vorschriften nun erneut überarbeitet. 

Die EU finalisiert derzeit die dritte Zahlungsdiensterichtlinie (PSD3) und die Zahlungsdiensterichtlinie (PSR). Diese Vorschriften sollen einheitlich gelten – von Paris bis Prag.

Unabhängig davon, ob Sie ein kleines Unternehmen oder ein wachsender Marktplatz sind, müssen Sie diese Vorschriften einhalten. Es gibt jedoch auch einen Vorteil: Diese Vorschriften sind tatsächlich ein Instrument, um Vertrauen aufzubauen und Betrug zu verhindern.

Unser Guide erläutert genau, was PSD3 und PSR sind, warum sie wichtig sind und wie Sie Ihr Unternehmen auf die nächste Entwicklungsstufe des europäischen Finanzwesens vorbereiten können.

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Einführung in PSD3 und PSR

Diese beiden Maßnahmen sind eine Weiterentwicklung des bestehenden europäischen Zahlungsrahmens.

Die 2015 verabschiedete PSD2 führte zu Open Banking und Strong Customer Authentication (SCA). Das war ein Anfang. Seitdem hat sich der Markt jedoch rasant weiterentwickelt. Um mit digitalen Plattformen und immer raffinierteren Betrugsmethoden Schritt zu halten, führt die Europäische Kommission ein neues zweiteiliges Paket ein: PSD3 und PSR.

Was ist PSD3?

PSD3 konzentriert sich auf die Mechanismen hinter den Kulissen. Sie legt fest, wer Ihr Geld verwalten darf und wie streng diese Personen beaufsichtigt werden müssen.

Die größte Änderung ist die Zusammenlegung von Zahlungsinstituten (PIs) und E-Geld-Instituten (EMIs):

  • Zahlungsinstitute (PIs): Dies sind Unternehmen, die Geld von A nach B transferieren, es aber nicht lange halten dürfen.

  • E-Geld-Institute (EMIs): Diese funktionieren eher wie Wallets. Sie können Geld transferieren, es aber auch unbegrenzt für Sie aufbewahren.

In der Vergangenheit unterlagen diese beiden Gruppen unterschiedlichen Lizenzen und teils abweichenden Vorgaben. Mit der PSD3 gelten nun einheitliche Regeln für alle. Für Sie bedeutet das eine vereinfachte und transparentere Marktstruktur – mit sichereren Transaktionen, weniger unnötigen Ablehnungen im Checkout und potenziell wettbewerbsfähigeren Gebühren.

Weiterhin verschärft die PSD3 die Aufsicht über Zahlungsdienstleister deutlich. Sie regelt unter anderem den Umgang mit Auslagerungen sowie die grenzüberschreitende Tätigkeit von Unternehmen. Auch wenn diese Aspekte meist im Hintergrund bleiben, sind sie entscheidend: Sie bestimmen, welche Anbieter Ihnen ihre Dienste anbieten dürfen – und wie stabil und belastbar deren Geschäftsmodell tatsächlich ist.

Wir werden uns mit diesen Details im Abschnitt „Wichtige Änderungen” befassen, aber lassen Sie uns zunächst einen genaueren Blick auf die PSR werfen. 

Was ist die PSR?

Wenn die PSD3 der Entwurf für die Unternehmen ist, die mit Geld umgehen, dann ist die Zahlungsdiensterichtlinie das eigentliche Regelwerk für jede Transaktion. Das bedeutet, dass unabhängig davon, ob sich Ihr Kunde in Berlin oder Barcelona befindet, die grundlegenden Betriebsregeln für Sicherheit, Transparenz und Betrugsschutz in der gesamten EU einheitlich sind.

Für wachsende europäische Unternehmen schafft dies gleiche Wettbewerbsbedingungen, vereinfacht grenzüberschreitende Geschäfte und bietet eine besser vorhersehbare Möglichkeit, in ganz Europa zu expandieren. Es gibt drei Hauptteile:

  1. Betrugsbekämpfung: Neue Regeln zur Bekämpfung von „Spoofing“ (wenn Betrüger sich als Banken ausgeben). Wenn eine Bank oder ein Zahlungsanbieter einen eindeutigen Betrugsversuch nicht erkennt, kann die Haftung vom Nutzer weg verlagert werden. Diese Maßnahme soll das gesamte Ökosystem vertrauenswürdiger machen.

  2. SCA 2.0: Die neuen Vorschriften zielen darauf ab, unnötige SCA-Herausforderungen für Transaktionen mit geringem Risiko zu reduzieren und benutzerfreundlichere, phishing-resistente Methoden wie Biometrie zu fördern, während gleichzeitig die Kontrollen bei der Registrierung von Geräten und Wallets verschärft werden.

  3. Klarere Identitäten: Wir alle haben schon einmal kryptische Codes wie „WP-TX-998” auf einem Kontoauszug gesehen und uns gefragt, was wir gekauft haben. Die PSR schreibt „Transaktionstransparenz” vor, was bedeutet, dass auf Kontoauszügen Ihr tatsächlicher Handelsname angegeben werden muss. Dies ist ein großer Gewinn für die Reduzierung von versehentlichen Rückbuchungen, die einfach deshalb erfolgen, weil ein Kunde die Rechnung nicht erkannt hat.

Warum geschieht dies gerade jetzt?

Die PSD2 hat einen Großteil der Grundlagen für die heutigen digitalen Zahlungen geschaffen. Da sich jedoch die Technologie und die Betrugsmethoden weiterentwickelt haben, ist die PSD3 praktisch eine dringend benötigte Aktualisierung der Sicherheit und Leistungsfähigkeit. Dies ist von Bedeutung, da sich die Art und Weise, wie wir bezahlen, in den letzten 10 Jahren wohl stärker verändert hat als in den 50 Jahren zuvor.

Die Europäische Kommission treibt diese Aktualisierung aus drei klaren operativen Gründen voran:

1. Mit Betrug Schritt halten

Die starke Kundenauthentifizierung hat den einfachen Kartendiebstahl reduziert, aber die Betrüger dazu veranlasst, kreativer zu werden. Wir beobachten einen massiven Anstieg von KI-gestützten Betrugsmaschen, von Social Engineering bis zu Spoofing. Und da sofortige Zahlungen von Konto zu Konto zum neuen europäischen Standard werden, sind Transaktionen unwiderruflich – das Geld ist einfach weg.

Die neuen Vorschriften zielen direkt auf diese ausgeklügelten Betrugsmaschen ab. Die Regulierungsbehörden erweitern die Haftung, um sicherzustellen, dass das Ökosystem für Ihre Kunden vertrauenswürdig bleibt.

2. „Open Banking” zugänglicher machen

Open Banking war das große Versprechen der PSD2, aber die Realität war oft umständlich. Viele Banken boten langsame oder unzuverlässige Verbindungen (APIs) zu Fintech-Apps, was zu Zeitüberschreitungen und frustrierten Kunden führte. Die PSR verpflichtet Banken nun, dedizierte, leistungsstarke Schnittstellen bereitzustellen. Sie schreibt auch ein inklusives Design vor, das sicherstellt, dass die Authentifizierung für alle funktioniert, einschließlich älterer Menschen oder Menschen mit Sehbehinderungen, die möglicherweise auf Spracherkennung angewiesen sind.

3. Schaffung eines internationalen Standards

Unter PSD2 interpretierten verschiedene EU-Länder die Regeln leicht unterschiedlich, was bedeutete, dass ein Fintech-Unternehmen in Irland möglicherweise mit anderen Hürden konfrontiert war als eines in Italien. Mit der Einführung von PSR schafft die EU einheitliche Regeln für den gesamten Kontinent, sodass Sie Ihr Geschäft leichter von einem Land auf 27 Länder ausweiten können, ohne Ihren gesamten Checkout-Prozess ändern zu müssen.

Wichtige Änderungen durch PSD3 und PSR

Wenn Sie PSD3 mit PSD2 vergleichen, besteht die größte Veränderung darin, dass der Schwerpunkt von der Bereitstellung des Zugangs auf die Gewährleistung der Qualität verlagert wurde. PSD2 öffnete die Tür für Fintech-Unternehmen, aber PSD3 und PSR sorgen dafür, dass diese Tür offen bleibt, die Scharniere nicht quietschen und die Sicherheitsvorkehrungen Betrüger tatsächlich abhalten.

Der neue Rahmen unterteilt die Regeln in zwei Kategorien: wie Unternehmen geführt werden (PSD3) und wie Zahlungen wirklich abgewickelt werden (PSR). Folgende Änderungen sind vorgesehen:

1. Starke Kundenauthentifizierung

Unter PSD2 war SCA (die Zwei-Faktor-Überprüfung beim Bezahlvorgang) eine Art Einheitslösung. PSR verfeinert dies zu einem präzisen Instrument:

  • Standardmäßig reibungslos: Es fördert mehr Ausnahmen für Zahlungen mit geringem Risiko, was weniger störende Pop-ups für Ihre Stammkunden bedeutet.

  • Biometrie an erster Stelle: Biometrische Daten (Face ID, Fingerabdruck) werden stark bevorzugt, da sie schwieriger zu stehlen sind als SMS-Codes.

  • Sichere Wallets: Die PSR verlangt ausdrücklich eine robuste SCA zum Zeitpunkt der Registrierung eines Wallets. Dies verhindert, dass Betrüger Ihre Karte auf ihrem Smartphone speichern können.

  • Weniger falsche Ablehnungen: Die Regeln unterstützen einen besseren Austausch von Transaktionsrisikosignalen, sodass Emittenten genauere Genehmigungsentscheidungen treffen können, ohne dass Kunden jedes Mal zusätzliche Schritte durchführen müssen.

2. Verbesserte Zugänglichkeit und Rechte für Benutzer

Zahlungen sollten für alle funktionieren, nicht nur für technisch versierte Personen.

  • Inklusivität durch Design: Zum ersten Mal gibt es eine gesetzliche Verpflichtung, sicherzustellen, dass die SCA für Nutzer mit Behinderungen oder solche, die kein Smartphone besitzen, zugänglich ist.

  • Stärkung der Nutzer: Wenn ein Kunde einen Zahlungsauslösedienst (PIS) oder einen Kontoinformationsdienst (AIS) nutzt, sind seine Rechte nun ausdrücklich geschützt. Er erhält Einwilligungs-Dashboards, um genau zu sehen, wer Zugriff auf seine Daten hat, und kann diese mit einem Fingertipp widerrufen.

3. Betrugsprävention und Haftung

Dies ist der wichtigste Aspekt für Ihren täglichen Geschäftsbetrieb.

  • Überprüfung des Zahlungsempfängers (VoP): Bevor ein Kunde auf „Senden” klickt, muss seine Bank überprüfen, ob der Name auf dem Konto mit der IBAN übereinstimmt. Wenn die Bank den Kunden nicht auf eine Nichtübereinstimmung hinweist, kann die Bank – und nicht der Kunde oder das Unternehmen – für den Verlust haftbar gemacht werden.

  • Schutz vor Spoofing: Wenn ein Betrüger sich als Bankmitarbeiter ausgibt, um einen Kunden zu einer Überweisung zu verleiten, ist es nun viel wahrscheinlicher, dass die Bank für eine Rückerstattung haftet.

  • Erweiterte Haftung: Wenn erforderliche Sicherheitsmaßnahmen nicht ordnungsgemäß angewendet werden, liegt die Haftung möglicherweise nicht nur beim Kunden oder Unternehmen. Andere Parteien im Ablauf können eine größere Haftung tragen.

  • Austausch von Betrugssignalen: Regulierte Anbieter können relevante Betrugssignale innerhalb des Ökosystems austauschen, wodurch die Erkennung verbessert wird, ohne dass es zu Reibungsverlusten für legitime Kunden kommt.

4. Zuverlässigeres Open Banking

Unter PSD2 war Open Banking oft umständlich, da die Bank-APIs (die digitalen Konnektoren) einfach nicht so robust waren, wie sie sein mussten. Mit PSD3 wurde das System in zweierlei Hinsicht verbessert:

  • Leistungsvorgaben: Banken sind nun verpflichtet, dedizierte, hochwertige Schnittstellen bereitzustellen, um die Zuverlässigkeit zu verbessern und Störungen zu reduzieren. 

  • Einwilligungs-Dashboards: Ihre Kunden erhalten in ihrer Banking-App ein Kontrollpanel, in dem sie alle Datenfreigaben einsehen können, die sie Apps erteilt haben, und diese mit einem Klick widerrufen können. Dies soll „Geisterberechtigungen” reduzieren, das Vertrauen der Kunden stärken und den Support-Aufwand senken.

5. Über Zahlungen hinaus: Der FiDA-Link

Möglicherweise hören Sie gelegentlich den Begriff FiDA (Financial Data Access, Zugang zu Finanzdaten). Während sich PSD3 auf Ihr Zahlungskonto konzentriert, verfolgt FiDA umfassendere Ziele. Es zielt darauf ab, die Prinzipien des Open Banking auf Ihr gesamtes Finanzleben auszuweiten, einschließlich Versicherungen, Renten und Investitionen. 

In vielerlei Hinsicht ist PSD3 ein Testfall für diese umfassendere EU-Vision von Open Finance.

6. Direkter Zugang zu Zahlungssystemen (für Nicht-Bank-Zahlungsdienstleister und E-Geld-Institute)

Die neuen Vorschriften stärken den fairen, diskriminierungsfreien Zugang zu Zahlungssystemen und Konten für Nicht-Bank-Zahlungsdienstleister und E-Geld-Anbieter und verringern damit die übermäßige Abhängigkeit von einer kleinen Anzahl von Sponsorbanken.

Für Zahlungsdienstleister kann dies die Abhängigkeit von Sponsorbanken verringern und die Widerstandsfähigkeit verbessern. Für Unternehmen dürfte dies langfristig zu mehr Wettbewerb und schnelleren Produktinnovationen führen, wobei die Ergebnisse von der Umsetzung und der Marktdynamik abhängen werden.

7. Klarere Offenlegung von Währungsumrechnungsgebühren (FX-Transparenz)

Die PSR verschärft die Transparenzanforderungen für Währungsumrechnungsgebühren bei bestimmten Zahlungsströmen (z. B. Überweisungen und Geldtransfers). Bei Währungsumrechnungen müssen Anbieter möglicherweise den FX-Aufschlag als Prozentsatz des EZB-Referenzzinssatzes angeben, bevor der Kunde die Transaktion auslöst. 

Für Unternehmen, die grenzüberschreitend verkaufen, kann sich dies auf die Nachrichten beim Bezahlvorgang und auf Quittungen auswirken und könnte zu weniger Streitigkeiten aufgrund unerwarteter Wechselkurskosten führen.

Nachdem wir nun die Gründe erläutert haben, wenden wir uns den Akteuren und dem Zeitplan zu.

Voraussichtlicher Zeitplan für PSD3/PSR

Im Jahr 2026 gehen wir von der Debatte zur Umsetzung über. Während die Schlagzeilen schon seit Jahren kursieren, stehen nun endlich die tatsächlichen Termine fest, die Sie in Ihrem Kalender vermerken sollten.

Hier ist der Fahrplan auf der Grundlage der aktuellen legislativen Ausrichtung. Beachten Sie, dass sich die Zeitpläne der EU zwar verschieben können, das Ziel jedoch feststeht.

Datum

Meilenstein

Was bedeutet das für Sie?

1. Halbjahr 2026

Formelle Verabschiedung

Das EU-Parlament gibt endgültig grünes Licht. Die Texte werden im Amtsblatt veröffentlicht, und die Frist beginnt offiziell zu laufen.

Ende 2026

Der Übergang beginnt

Die 18- bis 24-monatige Übergangsfrist beginnt. In dieser Zeit beginnt Ihr Zahlungsdienstleister mit der Aktualisierung seiner Technologie, um die neuen PSR-Standards zu erfüllen.

Anfang 2027

Technische Standards (RTS)

Die EBA legt technische Standards fest, die klären, wie wichtige Anforderungen in der Praxis umgesetzt werden sollen (z. B. Details zur starken Kundenauthentifizierung, Erwartungen an die Schnittstellenleistung und Sicherheitskontrollen).

Ende 2027 / Anfang 2028

Vollständige Anwendung

Dies ist die Frist. Bis zu diesem Zeitpunkt muss Ihr Checkout vollständig mit den PSR-Vorschriften (wie SCA 2.0 und klaren Kontoauszügen) konform sein.

Wen betreffen PSD3 und PSR?

Letztendlich betreffen diese Änderungen alle Akteure auf dem europäischen Markt. Die operativen Auswirkungen sind jedoch nicht gleichmäßig verteilt.

Die meisten Einzelhandelsunternehmen werden die Auswirkungen indirekt (über ihren Anbieter) spüren, während Plattformen und Marktplätze mit einem wesentlich höheren Compliance-Aufwand konfrontiert sind.

  • Unternehmen (E-Commerce und Einzelhandel): Meist indirekte Auswirkungen über Ihren Zahlungsdienstleister, Aktualisierungen der SCA/3D-Secure-Abläufe, klarere Kontoauszugsbeschreibungen, Prozesse zur Betrugsbekämpfung und zuverlässigere Bankverbindungen.

  • Plattformen und Marktplätze: Höheres Compliance-Risiko mit strengeren Regeln für Ausnahmen (wie die Ausnahme für Handelsvertreter) und einer strengeren Kontrolle der Geldflüsse, was häufig regulierte Zahlungssysteme oder einen lizenzierten Partner erfordert.

  • Zahlungsdienstleister (PSPs) und Banken: Diese Vorschriften wirken sich direkt auf die Anforderungen an die Autorisierung/Aufsicht, die Leistungserwartungen an Open-Banking-Schnittstellen, Betrugskontrollen, Transparenzvorschriften und klarere Haftungsrahmen aus.

  • Verbraucher: Stärkerer Schutz vor Spoofing und fehlgeleiteten Überweisungen (z. B. durch die Überprüfung des Zahlungsempfängers), klarere Transaktionsinformationen und besser zugängliche Authentifizierungsoptionen.

PSD2 vs. PSD3 auf einen Blick

Merkmal

PSD2 

PSD3/PSR 

Schwerpunkt

Zugang und grundlegende Sicherheit

Leistung und Betrugsprävention

Betrugsüberprüfung

2-Faktor-Authentifizierung (SCA) beim Bezahlvorgang

SCA bei der Registrierung + IBAN-Namensabgleich

Open Banking

Obligatorischer Zugang (oft umständlich)

Höhere Verfügbarkeits- und Leistungsstandards

Regelstil

Fragmentierte nationale Auslegungen 

Einheitliches EU-weites Regelwerk (PSR)

Lizenzen

Getrennte PI und EMI 

Einheitlicher PI/EMI-Lizenzierungsrahmen

Wie wirken sich PSD3 und PSR auf Plattformen und Marktplätze aus?

Wenn Sie eine Plattform oder einen Marktplatz betreiben, nehmen Sie eine einzigartige Position im Zahlungsfluss ein, da Sie ein Netzwerk aus mehreren Käufern und Verkäufern verwalten. PSD3 und PSR führen strengere Vorschriften ein, um sicherzustellen, dass Sie, wenn Sie Geld für andere transferieren, entweder über eine Lizenz verfügen oder einen Partner beauftragen, der eine solche Lizenz besitzt.

Vorgehen gegen „Handelsvertreter”

Seit Jahren verlassen sich viele Plattformen oder Marktplätze auf die „Ausnahmeregelung für Handelsvertreter”, um sich die Mühe zu ersparen, eine vollständige Zahlungslizenz zu erwerben. Die neuen Vorschriften verschärfen diese Ausnahmeregelung.

Die PSR stellt klar, dass diese Ausnahme nur gilt, wenn Sie ausschließlich für den Zahler oder den Zahlungsempfänger tätig sind. Sie können nicht als Vermittler für beide Seiten fungieren.

Darüber hinaus müssen Sie über eine „echte Marge” verfügen, um den Verkauf zu verhandeln. Wenn Ihre Plattform lediglich als Vermittler fungiert, die Gelder verwaltet und eine standardisierte automatisierte Kasse verwendet, erfüllen Sie möglicherweise nicht mehr die Voraussetzungen. Der Umfang der Ausnahmeregelung für Handelsvertreter wird jedoch noch verhandelt, und die endgültige Position wird erst klar sein, wenn sich die EU-Gesetzgeber auf den endgültigen Wortlaut der PSR geeinigt haben.

Um die Vorschriften einzuhalten, ohne sich um eine Banklizenz kümmern zu müssen, sollten Sie sich auf einen regulierten Partner (wie Mollie) verlassen, der Ihre Geldflüsse verwaltet.

Die begrenzte Netzwerkexklusion (LNE)

Wenn Sie Geschenkkarten oder Tankkarten Ihrer Marke anbieten, nutzen Sie wahrscheinlich die Ausnahme für begrenzte Netzwerke. Diese ermöglicht es Ihnen, Ihr eigenes Zahlungssystem ohne vollständige Banklizenz zu betreiben, vorausgesetzt, die Gelder können nur an Ihren Standorten oder für einen bestimmten Zweck ausgegeben werden.

PSD3 und PSR haben dies nicht abgeschafft, aber die Regeln verschärft:

  • Die Regel: Ihre Karten müssen wirklich begrenzt bleiben. Wenn eine Geschenkkarte in so vielen unabhängigen Geschäften akzeptiert wird, dass sie praktisch wie eine allgemeine Debitkarte funktioniert, müssen Sie mit einigen Fragen rechnen. 

  • Das Ziel: Es soll verhindert werden, dass diese geschlossenen Systeme effektiv zu allgemeinen Zahlungsmitteln werden – ohne die Sicherheitsvorkehrungen und die Aufsicht, die für regulierte Zahlungsdienste gelten.

Verbesserte Abwicklung und Geldfluss

Da PSR den Geldfluss standardisiert, können Marktplätze mit besser vorhersehbaren Abrechnungszeiten über EU-Grenzen hinweg rechnen.

Der Nachteil ist eine strengere Kontrolle. Sie können mit strengeren Vorschriften für die Sicherung von Kundengeldern (Trennung, Abstimmung und Kontrollen) rechnen, insbesondere wenn Sie vor der Auszahlung an Verkäufer auf die Gelder zugreifen.

Der Vorteil: Dank der Verordnung müssen Sie keine separate Auszahlungslogik für Ihre Verkäufer in verschiedenen EU-Märkten entwickeln. Ein Regelwerk gilt für alle.

Möchten Sie genau erfahren, wie sich diese Änderungen auf Ihr spezifisches Geschäftsmodell auswirken? Lesen Sie unseren ausführlichen Guide: PSD3 für Plattformen und Marktplätze.

Vorbereitung auf PSD3 und PSR: Ein Fahrplan zur Compliance

Compliance ist schon schwierig genug, ohne dass es zu einer Last-Minute-Hektik kommt. Hier finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Checkliste, mit der Sie den Fristen 2027/28 einen Schritt voraus sind.

  1. Überprüfen Sie Ihre aktuellen Ausnahmeregelungen: Wenn Sie derzeit von der Ausnahme für Handelsvertreter profitieren, überprüfen Sie jetzt Ihre Verträge. Verfügen Sie über einen „echten Verhandlungsspielraum”? Wenn nicht, ist es an der Zeit, zu einem regulierten Zahlungsmodell überzugehen.

  2. Sprechen Sie mit Ihrem Zahlungsdienstleister über SCA 2.0: Fragen Sie Ihren Anbieter, wann er „SCA bei der Registrierung” für Wallets einführen wird. Dies wird bald eine zwingende Voraussetzung sein.

  3. Überprüfen Sie Ihre Kontoauszugsdaten: Stellen Sie sicher, dass Ihr System so konfiguriert ist, dass es Ihren Handelsnamen an Ihren Zahlungsanbieter übermittelt, damit dieser deutlich auf den Kontoauszügen Ihrer Kunden erscheint.

  4. Vorbereitung auf Betrugsdaten: PSR unterstützt eine strengere Betrugsprävention und klarere Haftungsbedingungen. Stellen Sie daher sicher, dass Ihre Systeme (und Ihre PSP-Integration) umfangreichere Betrugssignale, verbesserte Beschreibungen und alle neuen Berichts-/Betriebsprozesse, die Ihr Anbieter einführt, verarbeiten können.

Compliance mit Mollie

Wir bei Mollie sind seit jeher der Meinung, dass Vorschriften für Ihre Kunden nicht sichtbar sein sollten. Unsere Aufgabe ist es, die Komplexität zu bewältigen, damit Sie sich auf Ihr Wachstum konzentrieren können.

Wir verfolgen einen proaktiven Compliance-First-Ansatz in Bezug auf PSD3 und PSR:

  • Vereinfachte SCA: Wir optimieren kontinuierlich die 3D-Secure-Abläufe, um Reibungsverluste zu reduzieren, und bereiten uns auf PSR-Updates vor, einschließlich strengerer Anforderungen für die Authentifizierung bei der Registrierung von Wallets.

  • Integrierte Transparenz: Unsere APIs werden aktualisiert, um sicherzustellen, dass die Transaktionstransparenz (klare Firmennamen auf Abrechnungen) für alle unsere Nutzer automatisch gewährleistet ist.

  • Plattformspezifische Lösungen: Über Mollie Connect bieten wir Marktplätzen eine vollständig konforme Möglichkeit, Gelder zwischen Käufern und Verkäufern zu transferieren, sodass Sie sich keine Gedanken mehr über Lizenzen machen müssen.

Sie können auch Deskriptoren verwalten, Streitfälle überwachen und die Zahlungsleistung im Mollie-Dashboard verfolgen.

Fazit

Der Übergang vom PSD2- zum PSD3/PSR-Rahmenwerk markiert einen Wendepunkt für den europäischen Handel. Es ist ein Schritt hin zu einer ausgereifteren, sichereren und einheitlicheren Finanzlandschaft.

Auch wenn die technischen Details, die Compliance und die Ausnahmen abschreckend wirken mögen, ist das Ziel einfach: Zahlungen sollen für alle besser funktionieren. Wenn Sie sich jetzt vorbereiten, schaffen Sie eine vertrauenswürdigere und reibungslose Erfahrung für Ihre Kunden.

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Häufig gestellte Fragen

F: Benötige ich als E-Commerce-Händler eine PSD3-Lizenz? 

A: Nein. Sofern Sie kein großer Marktplatz sind, der selbst Gelder verwaltet, benötigen Sie keine Lizenz. Ihr Zahlungsdienstleister verfügt über die Lizenz für Sie. Sie müssen jedoch sicherstellen, dass Ihr Zahlungsdienstleister die Fristen für 2027/28 einhält.

F: Was ist der Unterschied zwischen VoP und der britischen Bestätigung des Zahlungsempfängers? 

A: Sie sind sehr ähnlich. Beide überprüfen, ob der Kontoname mit der IBAN/Kontonummer übereinstimmt. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass VoP die obligatorische Version ist, die gemäß der PSR in der gesamten EU/im gesamten EWR eingeführt wird.

F: Wird PSD3 meinen Bezahlvorgang verlangsamen? 

A: Eigentlich sollte er reibungsloser ablaufen. Die Sicherheitsvorkehrungen werden zwar verschärft, aber die Ausnahmeregelungen werden verbessert. Das bedeutet, dass Kunden mit geringem Risiko weniger Unterbrechungen erleben werden, während „SCA at Enrollment” die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen übernimmt, bevor der Kunde überhaupt zu Ihrem Checkout gelangt.

F: Ich habe eine PSD2-Lizenz für mein Fintech-Unternehmen. Wann muss ich einen neuen Antrag stellen? 

A: Bestehende Lizenzen bleiben voraussichtlich für einen Übergangszeitraum gültig (derzeit wird eine Dauer von etwa 18 bis 30 Monaten nach Inkrafttreten der neuen Vorschriften diskutiert), in dem Sie die Einhaltung der PSD3 nachweisen oder eine erneute Genehmigung nach dem neuen Rahmenwerk beantragen müssen.

F: Gelten PSD3 und PSR für britische Unternehmen oder britische Kunden?

A: Nicht direkt, da das Vereinigte Königreich seine eigenen Zahlungsvorschriften hat. Wenn Sie jedoch in die EU/den EWR verkaufen oder EU/EWR-basierte Zahlungsanbieter für EU/EWR-Kunden nutzen, müssen Teile Ihres Zahlungsflusses möglicherweise den EU-Anforderungen entsprechen (z. B. SCA-bezogene Vorschriften und Transparenzpflichten).

F: Wann muss ich die PSD3 und PSR einhalten? 

A: Die endgültigen Vorschriften werden zwar erst 2026 verabschiedet, jedoch wird den meisten Unternehmen eine Übergangsfrist eingeräumt. Sie sollten darauf hinarbeiten, dass Ihre Systeme bis Ende 2027 oder Anfang 2028 vollständig mit den neuen Transaktionsvorschriften (PSR) konform sind.

F: Wie wirkt sich die IBAN-Namensabgleichung (VoP) auf meinen Checkout aus? 

A: Es ist ein Gewinn für das Vertrauen. Wenn ein Kunde per Banküberweisung bezahlt, überprüft seine Bank Ihren Firmennamen. Wenn er übereinstimmt, erhält er grünes Licht. Dies reduziert manuelle Fehler und verhindert, dass Ihre Kunden versehentlich Geld an Betrüger senden.

F: Wird sich die Zusammenlegung von PIs und EMIs auf meine Gebühren auswirken? 

A: Das ist möglich, aber wahrscheinlich nicht der Fall. Diese Änderung betrifft hauptsächlich die Anbieter selbst. Sie fördert tatsächlich den Wettbewerb, was langfristig dazu beiträgt, die Transaktionsgebühren stabil oder niedriger zu halten.

Glossar

AIS (Account Information Services): Ein Dienst, mit dem Sie Ihre Finanzdaten aus verschiedenen Bankkonten in einer einzigen App einsehen können.

API (Application Programming Interface): Die digitale Schnittstelle, über die das System einer Bank sicher mit dem System eines Fintech-Unternehmens kommunizieren kann.

EMI (Electronic Money Institution): Ein Unternehmen, das berechtigt ist, „digitales Bargeld” auszugeben und in einer Wallet zu speichern (z. B. Revolut).
EU/EWR (Europäische Union/Europäischer Wirtschaftsraum): Eine gemeinsame geografische und wirtschaftliche Zone, die die 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Liechtenstein und Norwegen umfasst und eingerichtet wurde, um den freien Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr innerhalb des europäischen Binnenmarktes zu gewährleisten. 

FiDA (Financial Data Access): Der nächste Schritt nach Open Banking, der den Datenaustausch auf Versicherungen, Renten und Investitionen ausweitet.

LNE (Limited Network Exclusion): Eine Regelung, die es „geschlossenen“ Systemen (wie Geschenkkarten von Geschäften) ermöglicht, ohne vollständige Banklizenz zu operieren.

PI (Payment Institution): Ein Unternehmen, das zur Überweisung von Geld berechtigt ist, dieses jedoch nicht unbedingt langfristig speichern muss (z. B. Stripe oder Mollie).

PIS (Payment Initiation Services): Ein Dienst, mit dem Sie einen Händler direkt von Ihrem Bankkonto aus an der Kasse bezahlen können.

PISP (Payment Initiation Service Provider): Das Unternehmen, das die Schaltfläche „Per Bank bezahlen” auf einer Website einrichtet.

PSD / PSD2 / PSD3 (Zahlungsdiensterichtlinie): Die europäischen Gesetze, die festlegen, wer Zahlungen abwickeln darf und wie.

PSR (Zahlungsdiensterichtlinie): Das neue EU-Regelwerk, das sicherstellt, dass die Zahlungsvorschriften in allen Mitgliedstaaten identisch sind.

SCA (Strong Customer Authentication): Die für digitale Zahlungen erforderliche Zwei-Faktor-Sicherheitsüberprüfung (z. B. FaceID + Passwort).

VoP (Verification of Payee): Eine neue Anforderung an Banken, vor der Überweisung von Geld zu überprüfen, ob der Name auf dem Bankkonto mit der IBAN übereinstimmt.

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