Ein Großteil der Informationen zum PayFac-Modell stammt aus den USA. Dort erfolgt der Einstieg meist über eine Sponsoring-Bank und die Registrierung bei Kartennetzwerken. Das Projekt ist umfangreich, die regulatorischen Anforderungen sind jedoch meist weniger komplex als in Europa.
In Europa werden vergleichbare Modelle häufig über eigene PI- oder EMI-Lizenzen, lizenzierte Zahlungspartner oder Sponsoring- und Acquiring-Strukturen umgesetzt. Das bedeutet, dass Sie eine Zulassung bei einer nationalen Aufsichtsbehörde beantragen müssen, beispielsweise bei der Niederländischen Zentralbank (DNB) oder der BaFin in Deutschland.
Für ein SaaS-Unternehmen und andere Softwareplattformen ist das ein ambitioniertes Vorhaben.
Regulatorische Anforderungen
In Europa ist die regulatorische Landschaft komplexer und anspruchsvoller:
Die Regulierung von Zahlungsdiensten in der EU basiert derzeit auf PSD2 und entwickelt sich mit PSD3 sowie der geplanten Payment Services Regulation weiter.
EMD2 gilt, wenn Sie elektronisches Geld ausgeben oder speichern, beispielsweise in Wallets oder Guthabenkonten.
Mit dem Passporting können Sie eine in einem EU-Land erworbene Lizenz auf weitere EU-Märkte ausweiten. Der Prozess erfolgt jedoch nicht automatisch und bringt zusätzliche Anforderungen mit sich.
Die Vielfalt lokaler Zahlungsarten erhöht die Komplexität. Wenn Sie europäische Händler umfassend unterstützen möchten, müssen Sie neben Kartenzahlungen auch iDEAL in den Niederlanden, Bancontact in Belgien, SEPA-Lastschrift, Klarna und zahlreiche weitere Verfahren unterstützen.
Die Anforderungen der Strong Customer Authentication (SCA) erhöhen die technische Komplexität jeder Zahlungsabwicklung.
Rechtskosten
Für den Lizenzierungsprozess benötigen Sie spezialisierte Rechtsberatung. Plattformen investieren häufig zwischen 200.000 € und 500.000 €, bevor sie überhaupt eine Zulassung erhalten.
Hinzu kommen Kapitalanforderungen. Eine EMI-Lizenz erfordert in der Regel ein Mindestanfangskapital von 350.000 €. Zusätzlich müssen laufend Eigenmittel vorgehalten werden, die sich am Zahlungsvolumen orientieren.
Der Zeitrahmen von 12 bis 24 Monaten
In vielen europäischen Ländern vergehen zwischen Antragstellung und Genehmigung 12 bis 24 Monate.
Während dieser Zeit liegt Ihre Zahlungsstrategie häufig auf Eis. Geplante Betriebsmodelle können oft erst umgesetzt werden, wenn regulatorische Genehmigungen und Partnervereinbarungen vollständig vorliegen.
Compliance und operative Prozesse
Sie werden zu einem regulierten Finanzunternehmen.
Das bedeutet:
Sie benötigen einen dedizierten Compliance-Beauftragten.
Sie müssen robuste Programme zur Bekämpfung von Geldwäsche (AML) etablieren.
Sie benötigen Systeme zur Transaktionsüberwachung.
Sie müssen verdächtige Aktivitäten melden.
Sie müssen die Anforderungen der Strong Customer Authentication (SCA) erfüllen.
Die regulatorischen Anforderungen sind dauerhaft und nicht nur Teil der Einführungsphase.
Opportunitätskosten
Dies ist häufig der unterschätzte Kostenfaktor.
Jeder Entwickler, der an einer eigenen Settlement-Engine oder einem KYC-Dashboard arbeitet, arbeitet nicht an Ihrem Kernprodukt.
Für ein wachsendes SaaS-Unternehmen besteht das größte Risiko darin, dass Wettbewerber ihre Produkte schneller weiterentwickeln, während Sie sich mit regulatorischen Anforderungen und Berichtspflichten beschäftigen.
Die regulatorischen Hürden in Europa sind hoch, die Zahlungslandschaft ist fragmentiert und lokale Zahlungsarten erhöhen die Komplexität zusätzlich. Für die meisten europäischen Plattformen ist daher die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Zahlungspartner der sinnvollere Weg.